Die kindliche Entwicklungsphase von 0 - 6 Jahren 


 
  Der Entwicklungsverlauf in den ersten drei Jahren  
  Die Phase von 3 - 6 Jahren - das Kindergartenalter
  Was sollen Kinder in dieser Altersstufe lernen? 

  Der Entwicklungsverlauf in den ersten drei Jahren   

Auch nach neunmonatiger Schwangerschaftsphase ist ein Neugeborener quasi eine Frühgeburt. Nur der Teil unseres dreiteiligen Gehirns, der die Lebensfunktion Stoffwechsel, Atmung und Verdauung regelt, ist voll funktionsfähig. Funktionen des Denkens, des Erkennen und Fühlens, des Reagierens und des sozialen Handelns, welche von den anderen Gehirnbereichen verarbeitet werden, sind bei der Geburt völlig unausgereift und teilweise noch gar nicht angelegt. Das Zwischenhirn als Schaltzentrale für Gefühlsempfindungen und die im Laufe der Evolution beim Menschen so ausgeprägte Großhirnrinde, in der sich z.B. das Sprachzentrum konzentriert, entwickeln ihre Fähigkeiten erst in dem frühkindlichen Reifungsprozess. Der Wachstumsprozess des Gehirns und der Hirnstruktur ist extrem schnell. Am Ende des ersten Lebensjahres ist das Gehirn schon auf die Hälfte seiner möglichen Größe angewachsen. Die Vernetzung und das Wachstum der Millionen von Nervenzellen geschieht nahezu explosionsartig.

  Diese Vernetzung der Gehirnnerven ist mit dem Ende des dritten Lebensjahres fast abgeschlossen. Nervenbahnen, die nicht weiter genutzt werden, lösen sich auf und sind nicht wieder herzustellen. Vor diesem Hintergrund wird die große Bedeutung der ersten Lebensphase umso deutlicher. Die Vernetzung kann nur dann bestmöglichst verlaufen, wenn der Säugling, bzw. das Kleinkind genügend Anregungen bekommt. Das verlangt natürlich gerade von den Eltern, sich Zeit und Geduld zu nehmen, und sich mit ihrem Kind ausgiebig zu beschäftigen. Das Kind braucht unbedingt immer die gleichen Bezugspersonen. Wichtig dabei ist, dass sich Reize von außen wiederholen, damit Lernerfahrungen gewonnen werden können.
  Wie bedeutsam der Einfluss der Eltern ist, zeigt das Beispiel der Sprachentwicklung. Kinder übernehmen nicht nur komplett die Sprache der Eltern, sie imitieren auch Redewendungen, Sprachmelodien, dialektische Einschläge und anderes mehr. Die Reichhaltigkeit des sprachlichen Ausdrucks wird von den Eltern maßgeblich geprägt. Kinder, die in einem Haushalt aufwachsen, in dem ein ansprechendes Sprachniveau besteht, können sich über Sprache besser ausdrücken und erzielen damit einen lebenslangen Vorsprung gegenüber Kindern, die diese Anregungen nicht erfahren konnten.

  Das Erlernen von Empfindungen und sozialen Normen verläuft ähnlich wie beim Denken und Sprechen. Im Unterschied zu der Entwicklung der kognitiven Funktionen, die zum Teil auf Erbanlagen beruhen und vor allem ausreichend trainiert werden müssen, können sich die Fähigkeiten des Fühlens und Handelns nur in der sozialen Gemeinschaft entwickeln, in der das Kind aufwächst. Dabei ist es entscheidend, dass das Kind immer wieder von denselben Bezugspersonen umgeben ist, insbesondere natürlich Vater und Mutter, damit sich eine feste sichere Bindung aufbauen kann. Das verlangt heutzutage oftmals eine gute Organisation, wenn etwa beide Partner berufstätig sind, oder jemand allein erzieht.

  Ganz wesentlich dabei ist auch, dass einmal gelernte Verhaltensnormen überall Gültigkeit besitzen. Das Kind erfährt auf bestimmte Aktionen aus seiner Umwelt immer dieselben Reaktionen und gewinnt so die notwendige Sicherheit und Orientierung. Es ist in der Lage, die Signale aus seiner Umwelt zu interpretieren. Widersprüchliches Verhalten dagegen sorgt für große emotionale Verunsicherung. Selbst für ältere Kinder sind widersprüchliche Anweisungen von Erwachsenen äußerst verwirrend.

Fazit:
Bestmögliche Entfaltung und optimales Training der elementaren kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten sind also gegeben, wenn die Kinder in den ersten Lebensjahren eine sichere Bindung zu möglichst einer Hauptbeziehungsperson haben. In einer solchen Situation entwickeln sie seelische Ausgeglichenheit und eine stabile Persönlichkeitsstruktur. Beides Voraussetzungen, um den Fallstricken des Lebens besser begegnen zu können und gegen spätere Suchtgefahren gefeit zu sein.


  Die Phase von 3 - 6 Jahren - das Kindergartenalter

Wenn die Kinder klein sind, haben sie noch keine Entscheidungsmöglichkeit. Was Mama und Papa sagen, ist das Maß aller Dinge. Die Eltern haben absolute Vorbildfunktion. Die Kinder entwickeln erste charakterbestimmende Gewohnheiten und zeigen bereits, ob sie in der Lage sind, unterschiedlichste Situationen zu bewältigen und Probleme anzugehen.

  In dieser Altersgruppe besuchen zirka achtzig Prozent aller Kinder einen Kindergarten. Im Kindergartenalter kann jedoch auch bereits der Grundstock für ein problematisches Essverhalten oder ein gestörtes Körperbewusstsein gelegt werden. Mädchen und Jungen können erste Abhängigkeiten, z. B. von Süßigkeiten oder Fernsehen, entwickeln oder nach Ersatz suchen, wenn die eigentlichen Bedürfnisse nicht befriedigt werden.
Sinnvoll ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern und ErzieherInnen im Kindergarten.


  Was sollen Kinder in dieser Altersstufe lernen?  

Neben Lernzielen wie soziales Verhalten und Koordinationsfähigkeit muss die Stärkung der Persönlichkeit vorrangiges Ziel einer effektiven Erziehung.
sein. Dabei sollen die Kinder lernen, sich wesentliche Schutzfaktoren anzueignen.

  Das Kind soll lernen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, um ein Problem zu lösen und dass es dazu oft Geduld braucht. Ziel dabei ist, die kindliche Frustrationstoleranz zu verbessern.
  Das Kind soll seine Wünsche, Gefühle und Gedanken so ausdrücken können, dass sie von seinen Mitmenschen verstanden werden. Die Möglichkeit zur sprachlichen- und nichtsprachlichen Kommunikation ist von großer Bedeutung für die seelische Gesundheit.
  Schaffen Sie verständliche und nachvollziehbare Richtlinien und Absprachen, das schafft Sicherheit und Orientierung.
  Das Kind soll lernen, einen eigenen Standpunkt einzunehmen und zu seiner Meinung zu stehen. Dazu gehört vor allem auch, in bestimmten Situationen ”Nein” sagen zu können. Da ErzieherInnen für Kindergartenkinder zumeist nach der Familie die wichtigsten Bezugspersonen sind, sind sie in besonderer Weise geeignet, die Kinder im wahrsten Sinne des Wortes stark gegen Drogen zu machen.