Pubertät ... der ganz normale Wahnsinn! 

  Aus der Sicht der Jugendlichen   
  Verhaltensweisen in der Pubertät
  Tipps zu erzieherischen Fragen
  Für die Pinwand

  Aus der Sicht der Jugendlichen  

Jugendliche nach ihrer Gefühlslage befragt, schildern die gleichen Sorgen, Probleme und Ängste. Da wird berichtet über "Dauerstress mit den doofen Eltern, Liebeskummer, die ersten sexuellen Erfahrungen, Schul- bzw. Ausbildungsprobleme, teure Klamotten, höhere Taschengeldforderungen, Rauchen, Musik, hohe Telefonrechnungen..."

"Meine Alten quatschen mir ständig in alles rein" meint Lena, 14 Jahre alt und die anderen Mitglieder ihrer Clique im Jugendzentrum nicken heftig dazu. "Ich find's total nervig, dass ich nichts allein entscheiden darf."
Sarah (14 Jahre) bekommt jedes mal tierischen Stress mit ihren Eltern, wenn sie von Parties oder aus der Disco nicht pünktlich nach Hause kommt. "Alle dürfen bis Mitternacht durchdancen und ich muss immer um zehn Uhr zuhause sein."

Michael (16 Jahre) erinnert sich an seinen ersten Vollrausch: "Als mich mein Alter von der Party abgeholt hat, war er total sauer und machte einen riesigen Stunt. Dabei säuft er doch manchmal selber wie ein Loch...!"

Tom (13 Jahre) hört aber am liebsten Techno, Trance oder Housemusic, immer in entsprechender Lautstärke. "Den Sound, den sich mein Vater reinzieht, kannst Du im Altersheim auflegen!" Seine kulturell ansonsten toleranten Eltern treibt er allein schon mit der Lautstärke zur Weißglut.

Die 14jährige Nathalie ist total in Christian verliebt. Der hat aber was mit Claudia und will von ihr offenbar nichts wissen. An manchen Tagen fühlt sie sich dann einfach hundeelend. Mit ihrer Mutter würde sie darüber nie sprechen.

Im Kern steckt hinter all diesen Aussagen der Wunsch nach Abgrenzung und Abstand von der früheren kindlichen Identität, das Streben nach Selbstbestimmung und Selbstfindung - der Wunsch, erwachsen zu werden. Es lassen sich Verhaltensmuster feststellen, die immer wieder in ähnlich gelagerter Form anzutreffen sind.


  Verhaltensweisen in der Pubertät  

In der Pubertät entwickelt sich ein neuartiges Bewusstsein für die eigene unverwechselbare Identität.
Gleichzeitig werdenTeenager immer sensibler in der Wahrnehmung der eigenen seelischen und auch körperlichen Verletzlichkeit. Die Jugendlichen leiden in dieser Zeitspanne der Selbstfindung unter einem starken Unsicherheitsgefühl, was sich in extremen Gefühlsausbrüchen widerspiegelt. Mal gibt es Zeiten totalen Hochgefühls, dann wiederum tiefe emotionale Abgründe. Es gibt Phasen, in denen sie apathisch herumhängen, sich zurückziehen und sich tödlich langweilen. Diese Phasen können nahtlos abgelöst werden durch Phasen voller Energie und Lebensfreude.
Um die eigene Unsicherheit zu kompensieren, geben sich Teenager gerne großspurig. Man will die Welt davon überzeugen, dass man selbstbewusster und stärker ist, als man sich eigentlich fühlt.
Teenager lieben das Risiko. Sie müssen experimentieren, Grenzen ausloten - ihre eigenen Grenzen und die anderer Menschen. Damit sind Konflikte vorprogrammiert. Das gehört zu dem langwierigen Lernprozess, zu dem Versuch, das eigene Leben in den Griff zu bekommen und für sich selbst Entscheidungen zu treffen.



  Tipps zu erzieherischen Fragen  

1.
  Wie intensiv soll ich versuchen, am Leben meines Kindes teilnehmen?

Der Jugendliche versucht sich ein Leben außerhalb der Familie aufzubauen. Er zieht sich zurück, schafft sich seinen eigenen Freundeskreis und entwickelt seinen eigenen Lebensstil. Damit wird die Abgrenzung zu den Eltern bzw. der älteren Generation vollzogen. Das Kindliche verliert sich mehr und mehr. Es werden Grenzen übertreten, Verbote missachtet und bis dato unbekannte Facetten der eigenen Persönlichkeit ausgelotet. Und das ist völlig normal.
Denn ohne Eigenständigkeit kann sich keine Eigenverantwortlichkeit entwickeln.
Gelassenheit ist gefragt. Halten Sie sich zurück und lassen Sie die Abgrenzung zu. Versuchen Sie dennoch, am Kind dranzubleiben. Zeigen Sie Interesse an dem sich verändernden Lebensstil ihres Kindes. So lassen sich viele Konflikte schon im Ansatz verhindern.

2.
  Wie kann ich mit meinem Kind im Gespräch bleiben?

Sie sollten grundsätzlich gesprächsbereit sein und dass auch deutlich signalisieren.
Gerade in den typischen Rückzugsphasen wird jede Kommunikation verweigert. Versuchen Sie trotz des Widerstandes, das Gespräch aufrechtzuerhalten, auch wenn Sie tausendmal zu hören bekommen: "Lass mich in Ruhe". Fragen Sie doch einfach mal, was denn so "up-to-date" oder in der "Szene angesagt" ist. Das könnte ein guter Einstieg in ein Gespräch sein. Ihr Kind als Experte darf seine Eltern informieren über jugendliche Umgangsformen und den aktuellen Jugendkult.
Hören Sie Ihrem Kind aufmerksam zu. So bekommt es das Gefühl, dass das, was es sagt, für Sie von Bedeutung ist.
Bei Streitgesprächen versuchen Sie unbedingt einen sachlichen Ton anzuschlagen, der signalisiert: ich nehme Dich ernst, aber Du mich bitte auch. Ich höre Dir zu und versuche auf Dich einzugehen. Das gleiche verlange ich auch von Dir.
Der Teenager versucht oftmals, den als nervig empfundenen Ritualen im Familienalltag wie etwa das gemeinsame Essen, die Familienfeiern oder gemeinsame Ausflüge zu entfliehen. Diese Reaktion ist absolut normal und dient ebenfalls der Abgrenzung.
Hier sollten Sie dennoch darauf bestehen, dass das Kind sich auch weiterhin an den elementaren Gemeinsamkeiten beteiligt. Nur so kann das familiäre Selbstverständnis aufrechterhalten werden und der Raum für Gespräche bleibt bestehen.

3.
  Wieviel Freiraum braucht mein Kind?

Größere Freiräume sind für die Weiterentwicklung zur Eigenständigkeit absolut notwendig.
Je älter Ihr Kind wird, desto weniger Regeln sollten Sie aufstellen. Mit zuviel Kontrolle erreichen Sie genau das Gegenteil. Sie erwecken den Eindruck, als hätten Sie kein Vertrauen, wirken ängstlich und schwächen eher Ihre Position.
Bleiben Sie im Hintergrund, passives Verhalten ist die Rolle, mit der Sie sich in zunehmendem Maße anfreunden müssen. Es ist bestimmt nicht leicht zu lernen, die Kontrolle über das Kind nach und nach aufzugeben.
Vertrauen Sie darauf, dass Ihr Kind für sich selbst die "richtigen" Entscheidungen trifft. Hier paßt das Bild von der langen Leine, die mit zunehmendem Alter immer länger sein darf.

-"Wo ist die zeitliche Grenze beim Ausgehen?"


Wie lange Jugendliche abends ausgehen dürfen, hängt vom Alter und der Reife ab.
Eltern müssen schon wissen, wo sich ihre Kinder aufhalten, da kann man dann auch schon mal großzügiger sein. Eigenverantwortung übernehmen lassen, dazu gehört auch herauszufinden, wie viel Party ist gut für mich.
Gerade dieses Thema der "Freiräume und Grenzen" beschäftigt viele Eltern und schafft meist eher Verunsicherung. Man möchte sich austauschen, hören, wie es andere Eltern machen. Diskutieren Sie das Ganze doch mal im Elternforum.

zum Forum: "Eltern für Eltern" ...

4.
  Wie kann ich mein Kind in dieser Lebensphase am besten schützen?

Wie sehr Sie Ihr Kind auch zu schützen versuchen, Sie können es immer weniger. In dieser Phase müssen Sie lernen, schrittweise die Verantwortung an ihr Kind abzugeben.
Dies ist bestimmt nicht leicht zu akzeptieren. Sowie das Kind lernen muss, selbständig zu werden, müssen Sie lernen, sich rauszuhalten, das Kind laufen zu lassen. Der Schritt von der behüteten Welt der Familie in das selbstständige Leben des Erwachsenen birgt immer Risiken, auch für glückliche, selbstbewusste und gefestigte Jugendliche.
Ihr Kind entwickelt eigene Lebensbereiche, die Ihnen verschlossen bleiben, in denen Sie ihm wenig oder gar keinen Schutz geben können.

5.
  Wie wichtig ist die Privatsphäre?

Erwachsene pochen auf das Recht einer Privatsphäre. Auch Teenager haben einen Anspruch darauf.
Ohne Wahrung der Privatsphäre kann sich keine selbstständige Persönlichkeit entfalten. Jugendliche brauchen ihr Territorium. Das eigene Zimmer ist Tabuzone für die Eltern. Sie müssen sich damit abfinden, nicht mehr über jedes Detail aus dem Leben ihres Kindes Bescheid zu wissen.
Auch die Entwicklung der beginnenden Sexualität kann sich nur in ungestörter Privatsphäre gesund vollziehen.

- Im "Kinderzimmer" herrscht Chaos!

Auch wenn es im Kinderzimmer aussieht wie nach einem Orkan, ruhig bleiben.
Die Halbwüchsigen müssen selbst herausfinden, wieviel Chaos sie vertragen, was sie von den Eltern an Ordnung und System übernehmen wollen und was nicht. Dieser Entwicklungsprozess kann dauern. Die Konsequenz heißt: Tür schließen, Verantwortung abgeben, einfach draußen bleiben.
Einzige Ausnahme: Wenn das Zimmer im Unrat zu versinken droht, Reste auf gebrauchten Tellern ein eigenartiges Eigenleben entwickeln oder Pilzsporen auf den Handtüchern das Familienklima nachhaltig belästigen, dürfen Sie einschreiten!

- Darf bei Verdacht das "Kinderzimmer" durchsucht werden?

Die Razzia im "Kinderzimmer" sollte wirklich das allerletzte Mittel sein, etwa wenn Sie Drogen, indizierte Computerspiele oder Waffen vermuten. Dann müssen Sie handeln und dem Kind die Grenzen aufzeigen, die es massiv überschritten hat.
Ansonsten ist hinterher spionieren ein schlimmer Vertrauensbruch.

6.
  Wie verhalten, wenn das Badezimmer dauerhaft blockiert wird?

Alles, was mit dem Körper zu tun hat, ist eine heikle Angelegenheit. Die Jugendlichen stehen stundenlang vor dem Spiegel, beobachten, was sich verändert und entwickelt. Bizarre Mode, ausgeflippte Frisuren, grelles Schminken - rastlos suchen sie nach der neuen Haut.
Hier sind Toleranz und Gelassenheit gefragt, keine vernichtenden Urteile.
Erinnern Sie sich noch daran, womit Sie ihre Eltern geschockt haben?
Teenager wollen ihren Freunden gefallen, nicht den Erwachsenen.
Das braucht Zeit und viele Stunden vergehen, bis der veränderte Körper akzeptiert und gemocht wird. Ihr Kind fühlt sich noch fremd im eigenen Körper. Neugierige Blicke von Außen sind unerwünscht.
Aber auch Sie haben natürlich Ihre berechtigten Ansprüche auf Nutzung des Badezimmers. Zeitliche Absprachen entschärfen den Konflikt.

7.
  Darf man Richtlinien vorgeben, soll man Ratschläge erteilen?

Wichtig ist bei aller Gelassenheit, dass nicht das Gefühl entsteht, Sie wären Ihrem Kind gegenüber gleichgültig geworden. Auch wenn es dadurch immer wieder zu Reibungen kommt, brauchen die angehenden Teenager nach wie vor klare Ansagen der Eltern, die Orientierung liefern und Sicherheit vermitteln.
Einer 14-jährigen nicht klar zu sagen, wann sie wieder zuhause sein muss, wird nicht unbedingt als Großzügigkeit der Eltern verstanden, sondern womöglich als Gleichgültigkeit ausgelegt. "Denen ist ja völlig egal, wann ich nach Hause komme, ich bin denen sowieso gleichgültig!"
Es ist immer wichtig, Sachverhalte zu benennen: "Du sollst um 22.00 Uhr zu Hause sein. Ich will nicht, dass du nach hause trampst!" Also klare Vorgaben, die auch eingehalten werden müssen. Appell-Sätze provozieren dagegen Widerstand und ungewünschtes Fehlverhalten: "Komme ja nicht zu spät wie beim letzten Mal!" oder: "Ich bestimme, wann du zu Hause bist!"
Auch wenn aus Sicht der Teenager die Eltern am besten "unsichtbar" wären, bleiben sie ein elementarer Bezugs- und Orientierungspunkt, der doch jederzeit greifbar sein muss.
Das zeigt, wie bedeutsam trotz aller Bockigkeit und Distanz der Rückhalt der Eltern auch in Form klarer Richtlinien und Absprachen für die Jugendlichen ist.
Zuviel Liberalität kann auch überfordern.

8.
  Wie soll man auf unerwünschte Freundschaften reagieren?

Freundschaften sind ein enormer Rückhalt. Freunde suchen sich die Jugendlichen immer selber aus.
Bevor Sie sich vorschnell ein Bild von "falschen Freunden" machen - vielleicht beeinflusst durch wüstes Outfit oder provokante Verhaltensweisen - versuchen Sie mit den Teenagern ins Gespräch zu kommen. Oftmals werden dann aus Punkern, Freaks oder Grufties ganz normale Leute. Und für Hardrock, Piercing und Parties ist nun mal die Clique zuständig. Also auch in diesem Punkt ist man gut beraten, gelassen zu bleiben. Sollte sich dennoch der negative Eindruck erhärten, sagen Sie Ihrem Kind offen, was Sie von den Freunden halten.
Wichtig ist nur, wenn Sie Ihre Meinung ihrem Kind gegenüber zum Ausdruck bringen, dass Sie Ihren Standpunkt auch begründen. Geben Sie ruhig zu, dass Sie die Kontakte nicht unterbinden können. Das ist kein Zeichen von Schwäche sondern ein Zeichen der Ehrlichkeit. Ihr Kind muss wissen, dass es sich jederzeit an Sie wenden kann, wenn Probleme auftauchen. Das ist die beste Grundlage für eine echtes Vertrauensverhältnis und zeigt dem Kind auch, wie wichtig es für Sie ist.

9.
  Wie kann ich unnötige Konflikte vermeiden?

Konflikte gehören zum menschlichen Miteinander und gerade im Umgang mit pubertierenden Jugendlichen werden sich die Konfrontationen in dieser Entwicklungsphase zwangsläufig häufen. Diese Auseinandersetzungen sind wichtig und dienen der Orientierung.
Dennoch gibt es einigen Konfliktstoff, der überflüssig ist und das Familienklima unnötig belasten kann.
Um diesen Konflikten schon im Vorfeld aus dem Weg zu gehen, wenden Sie einfache, praktische Maßnahmen an, die am besten mit dem Kind gemeinsam geplant werden können und das Kind zusätzlich bei der Entwicklung der Eigenverantwortlichkeit unterstützen:

  Das Kind hat eine eigene Uhr und einen eigenen Wecker.
  Es hat ausreichend Stauraum, um Ordnung zu halten.
  Es hat einen eigenen Hausschlüssel.
  Es bekommt genügend Taschengeld, um sich bestimmte Wünsche zu erfüllen und kann selbst entscheiden, in welchem Maße es am sozialen Leben teilnehmen möchte.

Für Jugendliche ist Geld gleichbedeutend mit Freiheit und Unabhängigkeit.
Telefonieren hat im Leben der Jugendlichen einen hohen Stellenwert und ist in vielen Familien ein Reizthema. Endlose Telefonate über für Außenstehende anmutende Belanglosigkeiten sind durchaus normal. Um Konflikte zu vermeiden, stellen Sie klare Regeln auf.
Für das eigene Handy ist beispielsweise eine Telefonkarte eine gute Lösung.
Auch gegen "wilde Parties" im eigenen Haus spricht nichts, wenn man sich zuvor auf das Einhalten und Respektieren einer "Hausordnung" geeinigt hat.

10.
  Wie verhalte ich mich bei Konflikten?

Oft ist die Einstellung des Jugendlichen gegenüber seinen Eltern durch Arroganz und Herablassung gekennzeichnet. Das provoziert. Es ist sicherlich eine normale Reaktion, wenn man dann Dampf ablässt, weil man sauer ist. Man will sich ja nicht alles gefallen lassen. Sie haben das Recht zu verlangen, dass Sie genauso respektvoll behandelt werden, wie Sie sich auch Ihrem Kind gegenüber benehmen.
  Dennoch ist ein sachlicher Ton besser und hilfreicher. Der signalisiert nämlich: ich nehme dich ernst, aber du mich bitte auch. Und hinter den vermeintlich frechen Sprüchen verbirgt sich oftmals nichts anderes als Unsicherheit und Verletzbarkeit.

11.
  Was tun, wenn Verbote missachtet wurden?

Moralpredigten und ständige Ermahnungen stoßen Kinder zurück und verbauen den Weg für echte Gespräche.
Statt Regeln zu verschärfen oder die Regelverletzungen zu bestrafen, versuchen Sie, über das gemeinsame Gespräch die Probleme zu lösen. Auch Regeln müssen der kindlichen Entwicklung angepaßt werden und sind in Grenzen verhandelbar. Ein Gesprächseinstieg mit dem Teenager könnte in etwa lauten:" Mach' doch mal ein Angebot, wie stellst Du Dir eine Lösung vor?" Sind die Vorschläge akzeptabel, sollte man veränderte, bzw. neue Regeln vereinbaren. Beinahe jeder Konflikt kann leichter beseitigt werden, wenn man miteinander verhandelt, statt zu verbieten oder sich einer sturen Konfrontation auszusetzen. So muss sich niemand als Verlierer fühlen.
Aber es gibt natürlich Regeln, die nicht verhandelbar sind; z.B. das Rauchen. Sie sagen ganz deutlich, dass Sie das Rauchen nicht tolerieren: "Hier ist meine Wohnung, mein Haus, hier wird nicht geraucht! Was Du auf dem Schulweg machst, das kann ich leider nicht kontrollieren."
Wenn Sie Strafen verhängen, sollten diese niemals erniedrigend und klar zeitlich begrenzt sein. Es muss ganz deutlich werden, dass die Strafe nur deshalb verhängt wird, weil der Jugendliche bestimmte Grenzen verletzt hat. Es sollte unbedingt vermieden werden, dass über die Sanktion eine Art schwelender Spannungszustand entsteht.
Kinder, die sich ungerechtfertigt behandelt fühlen, halten ihr schlechtes Benehmen für gerechtfertigt.
"Ich habe meinen 13-jährigen Sohn beim Rauchen erwischt!"
Anklagende Worte bringen Teenager selten zur Vernunft. Besser ist ein ruhiges Gespräch, bei dem nicht nur die Eltern vor sich hinschimpfen. Hören Sie auch mal hin, wenn ihr Sprössling redet. Versuchen Sie herauszufinden, warum Ihr Kind raucht. Fragen Sie nach, ob sich das Kind der gesundheitlichen Gefahren des Rauchens überhaupt bewußt ist. Gut für die Beziehung zum Kind: Über eigene Schwächen berichten. Zum Beispiel, wie schwierig es für Sie war, mit dem Rauchen aufzuhören. Hier kommt natürlich die Vorbildfunktion der Eltern zum Tragen. Sind Sie selbst Raucher, haben Sie die schlechteren Argumente.

12.
  Wie bemerke ich Fehlentwicklungen in der Pubertät?

Dies ist sicherlich eine heikle, nicht eindeutig zu beantwortende Frage, da hier die individuelle Situation entscheidend ist.
Generell lässt sich nur sagen: Jugendliche, die sich weder rebellisch verhalten, noch Entschlossenheit zeigen, sich von der Familie abzugrenzen, mögen für Eltern zwar angenehm sein, doch fehlt ihnen ein notwendiges Entwicklungsstadium auf dem Wege zu einem reifen Menschen.
Junge Leute ohne Selbstbewusstsein zeigen in bestimmter Hinsicht oft mangelndes Anpassungsvermögen.
Teenager, die aggressiv sind und sich in der Schule destruktiv verhalten oder im Extremfall sogar straffällig werden, haben oft ein zu geringes Selbstwertgefühl.

- Was tun, wenn sich das Kind total verschließt?

In diesem Fall sind Sie leider machtlos. Hier müssen andere helfen, Personen aus dem Verwandten- oder dem engeren Freundeskreis. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind total abgleitet, ist es wahrscheinlich notwendig, eine Erziehungsberatung oder professionelle psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Adresse der Erziehungsberatungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie auf der Seite www.bke.de/ratsuchende.htm.
Eltern müssen reagieren, solange das Kind noch auf dem Rand des Brunnens tanzt. Ist es erst mal hineingefallen ...



  Für die Pinnwand  

Tipps für die Pubertät

Diese Lebensphase muss kein Albtraum für die Familie sein!

  Erziehung in der Pubertät bedeutet, zu erkennen, wieviel Eigenverantwortung der Jugendliche schon tragen kann und wieviel nicht.
  Zuviel Liberalität kann dabei auch überfordern.
  Schaffen Sie verständliche und nachvollziehbare Richtlinien und Absprachen, das schafft Sicherheit und Orientierung.
  Erziehung bedeutet in dieser Phase, Konflikte gemeinsam durchzustehen.
  Zeigen Sie deutlich, dass Sie zu Gesprächen bereit sind.
  Aufmüpfiges Verhalten des Teenagers ist normal. Lassen Sie sich nicht provozieren. Versuchen Sie, gelassen und tolerant zu bleiben.
  Pubertät ist anstrengend, aber absolut notwendig für die Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen.
  Teenager sind besonders unsichere Menschen. Sie müssen daher durch Lob und Aufzeigen der persönlichen Stärken unterstützt werden. Für das Selbstbewusstsein ist das ungeheuer hilfreich.
  Haben Sie Vertrauen in die Fähigkeiten Ihres Kindes.
  Ungebetene Kommentare oder unerwünschte Ratschläge sind das Letzte, was Teenager hören wollen.
  Freundschaften sind enorm wichtig. Der Teenager sucht sich neue Bezugspunkte außerhalb der Familie.
  Sie verlieren Autorität, damit müssen Sie sich abfinden. Gelassenheit und Zurückhaltung sind gefragt.
  Bleiben Sie offen für Gespräche, auch wenn Sie sich verletzt fühlen. Sie dürfen die Angriffe nicht persönlich nehmen.
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