| Kinderangst 4 |
| Kinder haben mit dem Eintritt in diese neue, von außen vorgegebene Entwicklungsstufe Schwierigkeiten, wollen morgens nicht aus dem Haus oder werden ständig vom Lehrer mit Bauchweh oder Übelkeit nach hause geschickt. Andere entwickeln im Laufe ihrer Schulkarriere Ängste, weil sie mit dem Klassenverband, einem Lehrer oder auch mit dem Leistungsanspruch nicht zurechtkommen. Für Eltern ist es nicht leicht, mit einer Schulphobie umzugehen. Wovor genau hat das Kind Angst und wie kann man ihm die Angst nehmen? Darf man auch mal nachgeben und dem Kind eine Entschuldigung schreiben, wenn es nicht in die Schule will oder muss man immer konsequent bleiben? Viele Eltern und auch betroffene Kinder schämen sich, ihre Schwierigkeiten zuzugeben. Manchmal verbirgt sich auch hinter Konzentrationsschwierigkeiten, Aggressivität, Rückzug oder körperlichen Beschwerden eine Schulangst. |
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Was hat Schulangst mit der Familie zu tun?
Kinder, die bereits in den ersten Tagen und Wochen des Schulbesuchs ängstlich werden, haben Schwierigkeiten mit der Trennung von zu hause, meist von der Mutter. Sehr häufig sind Mutter und Kind stark miteinander in einer Art „Schicksalsgemeinschaft“ verbunden, wenn zum Beispiel die Mutter wenig Entlastung durch ihren Mann erlebt oder sie eine Alleinerziehende ohne gutes soziales Netz ist. Von außen kommt die Schulpflicht und reißt, durchaus schmerzhaft, dieses Band zumindest zeitweise auseinander. Bleibt das Kind daraufhin zu hause, bekommt ärztliche Atteste oder wird wieder ausgeschult, verändert sich an dem ungünstigen Beziehungsgeflecht in der Familie erst einmal nichts, die Einschulung ist nicht gelungen. Kinderpsychiater Reinmar du Bois schreibt in seinem Buch „Kinderängste“: „Durch das Scheitern an dieser sozialen Norm (der Schulpflicht), so willkürlich sie auch festgelegt sein mag, erkennt die Familie, dass sie in eine Sackgasse geraten ist und Hilfe braucht.“ Das Kind kann seine Schulangst überwinden, wenn die Familienverhältnisse geklärt werden. Vielleicht müssen Mutter und Vater sich die Erziehungsarbeit mehr teilen, vielleicht gibt es einen Konflikt in der Familie, der es dem Kind oder einem der Eltern erschwert, loszulassen. |
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Weitere Gründe für Schulangst
Ängste vor und in der Schule können auf sehr individuelle Weise entstehen. Typischer Auslöser sind Probleme mit den Mitschülern. Klassengemeinschaften können eine ganz eigene Gruppendynamik entwickeln, in der Kinder, die als andersartig oder schwach erlebt werden, ausgegrenzt, gehänselt und manchmal sogar gequält werden. Nicht immer bekommen die Erwachsenen etwas davon mit. Besonders Kinder, die schon immer als „unkompliziert“ und brav galten und wenig Konflikte mit ihren Eltern hatten bzw. diesen Schwierigkeiten aus dem Weg gegangen sind, haben es nicht trainiert, sich durchzusetzen. Diese „ich-schwachen“ Kinder treffen dann auf viele „ich-starke“ Kinder, die eine größere Überzeugungskraft haben, die Widersprüche ertragen und Niederlagen hinnehmen können. Manchmal reicht schon die Konfrontation mit diesen Kindern aus, um zu einer Schulangst zu führen. Besonders schlimm wird es aber, wenn sie durch die anderen Kinder regelrecht „Mobbing“ erfahren. In jedem Fall sollten die Erwachsenen sich einschalten und regelnd in die Gruppendynamik eingreifen. Hier bringt es nichts, das Kind aus dem Schulalltag herauszunehmen, sondern es sollte mit pädagogischer Hilfe gestärkt werden und einen eigenen Standpunkt finden. Ansonsten bleibt es im Status des Sonderlings oder Außenseiters. Auch Lehrer können Angst machen. Jeder kennt aus seiner Erinnerung an die Schule Lehrer, die jähzornig, ungerecht oder verletzend sind. Empfindliche Kinder entwickeln dann unter Umständen eine Schulphobie. Manchmal reicht es aber auch aus, dass ein Kind sich abgelehnt fühlt, ohne dass klar ist, ob das wirklich der Realität entspricht. Oder es kann dem Leistungsanspruch eines Lehrers nicht genügen und glaubt deshalb, nicht gemocht zu werden. Hier geraten Eltern schnell in einen Konflikt: Sollen sie aktiv werden, auf die Gefahr hin, dass sie noch mehr Porzellan zerschlagen und die Initiative des Kindes hemmen? Oder sollen sie sich zurückhalten, auf die Gefahr hin, dass sich ihr Kind verlassen fühlt? Eltern sollten sich auf jeden Fall klar darüber sein, dass sie bei energischen Eingriffen in den Schulbereich ihr Kind in Loyalitätskonflikte zwischen Lehrer, Klassengemeinschaft und Elternhaus bringen können. Erster Schritt sollte deshalb immer sein zu prüfen, ob das Kind zu hause genug Verständnis, Trost und Rückhalt bekommt. Manche Kinder wollen, obwohl sie leiden, nicht, dass ihre Eltern eingreifen. Reinmar du Bois rät: „Eltern, denen diese Problematik gegenwärtig ist, werden sich darum bemühen, alle Schritte gegenüber der Schule mit dem betroffenen Kind sorgfältig vorzubereiten und abzustimmen. Sie werden keine Entscheidung überstürzen und sich vielfältig informieren, bevor sie handeln.“ Hat ein Kind Schwierigkeiten, in der Schule mitzukommen so kann auch das zur Schulangst führen. Auch wenn die Eltern ermutigend und tröstend wirken, erleben Kinder ihr „Versagen“ in der Klasse manchmal als demütigend. Hilfreich kann es hier sein, eine Schulform zu wählen, in der das Kind nicht immer zu den Schlusslichtern gehört. Auch Kinder mit Teilleistungsschwächen wie zum Beispiel der Legasthenie entwickeln manchmal eine Schulphobie. Nach einem psychologischen Test können sie aber diesbezüglich sehr gut eingeschätzt und gefördert werden.Wenn Jugendliche eine Schulangst entwickeln, mischt diese sich häufig mit einer Zukunftsangst. Die hohen Anforderungen, um einen Ausbildungsplatz zu ergattern und beruflich nicht zu scheitern, ängstigen schon Schüler manchmal massiv. Mancher Schulverweigerer hat schlichtweg furchtbare Angst vorm Versagen. Auch die seelischen Herausforderungen der Pubertät, das Erwachsenwerden und Ablösen vom Elternhaus, kann eine Schulangst hervorbringen. Die Problematik ist dann ähnlich wie bei Kindern, die mit der Einschulung Schwierigkeiten haben: Ein neuer Entwicklungsschritt führt zu Angst, die Bindung an die Eltern wird übergroß. Auch hier ist es wichtig, dass Familien sich öffnen und die Schulangst nicht versuchen zu verbergen, ansonsten führt die Angst schnell in einen Teufelskreis, bei dem der Jugendliche sich immer mehr von der Außenwelt abschottet. Tipps für Eltern zum Thema "Schulangst":
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