| Tauschbörsen für Handy-Gewaltfilme |
Über 80 Prozent der Jungen und Mädchen hierzulande wissen, dass es Gewalt- und Pornovideos für das Handy gibt. Und sieben Prozent geben an, bereits Videos dieser Art empfangen zu haben. Diese Erkenntnisse hat der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (MPFS) in seiner jährlichen Studie zum Medienverhalten bei Teenagern gewonnen. Einige der Filme stehen auf dem Index, wie etwa die Erhängung des irakischen Diktators Saddam Hussein oder Folterungen russischer Soldaten. Als „Snuff-Filme sind echte Mord- und Vergewaltigungsszenen im Internet schon länger bekannt. Vor allem Jungen scheinen davon fasziniert zu sein. Wer „cool“ sein will, guckt sich diese Bilder ohne mit der Wimper zu zucken an – oder tut so. „Man ekelt sich, aber es muss sein, als Mutprobe oder aus Gruppenzwang“, so Iren Schulz. Das Schlimmste daran: Hier wird Gewalt und Pornografie häufig nicht „nur“ nachgestellt, wie im Film, hier sieht man die Realität. „Die Filme können sowohl Jugendliche als auch Erwachsene verstören und seelische Verletzungen auslösen“, so der Leiter vom Mainzer Jugendschutz.net, Friedemann Schindler. Neuster Trend ist das so genannte „Happy Slapping“, bei dem Jugendliche Mitschüler oder Passanten willkürlich angreifen und die Gewalttaten mit dem Fotohandy aufzeichnen, um sie später Freunden zu zeigen. Jeder sechste Jugendliche in Deutschland hat bereits einmal miterlebt, wie eine Prügelei mit dem Handy gefilmt wurde. Und – diese Art Filme können spielend leicht in die Hand von Kindern geraten. 15 Prozent der Sechs- bis Siebenjährigen haben inzwischen ein Handy, bei den Acht- bis Neunjährigen sind es 25 Prozent, die 10- bis 11-jährigen sind schon zu 56 Prozent Handybesitzer. Bei Mobiltelefonen mit aktivierter „Bluetooth“-Schnittstelle kann der Empfang im geringen Umkreis auch ganz unbeabsichtigt erfolgen, wodurch Kinder und Jugendliche unvorbereitet mit Gewaltdarstellungen konfrontiert werden. Was viele nicht wissen: Jugendliche ab 14 Jahren können sich schnell strafbar machen, wenn sie Videos und Bilder mit pornografischen oder gewaltverherrlichenden Inhalten Personen unter 18 Jahren zugänglich machen. Eine Jugendrichterin am Amtsgericht Sonthofen verurteilte letztes Jahr zum ersten Mal in Deutschland Jugendliche wegen Besitz und Verbreitung von Gewaltvideos auf ihren Handys. In einer Schule in Immenstadt waren 200 Handys eingezogen worden, auf 15 davon fand man Gewaltvideos. Insgesamt wurde gegen zehn Schülerinnen und Schüler Anklage erhoben. Bayern reagierte daraufhin mit einem generellen Handy-Verbot an Schulen. Iren Schulz glaubt jedoch nicht, dass dadurch das Problem gelöst werde. Sie plädiert dafür, in einer Art Handy-Kunde die Medienkompetenz der Schüler zu fördern. Eltern und Lehrer müssen sich mit dem Phänomen auseinandersetzen, um entsprechend reagieren zu können und den Jugendlichen in Schulen und zu hause eine Gesprächsmöglichkeit zu bieten. Schulz fordert: „Eine Regulierung, wenn möglich auch in der Hardware der Geräte, ist dringend notwendig.“
|
|
|||
| www.polizei-beratung.de/mediathek Hier gibt es ein Merkblatt der Polizei mit wichtigen Informationen und Tipps. |