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Je früher bei einem Kind eine Hörstörung entdeckt wird, desto besser ist die Aussicht auf einen normalen Spracherwerb. Nach Angaben der Initiative Neugeborenenhörscreening der Medizinischen Hochschule Hannover gehört eine Hörstörung zu den häufigsten Behinderungen bei Neugeborenen. Eine Schwerhörigkeit im Neugeborenenalter tritt bei ein bis zwei Kindern pro 1000 Geburten auf. Bei Risikokindern, z.B. Frühchen oder Kindern mit geringem Geburtsgewicht, liegt das Risiko 20-40fach höher. Um eine Störung frühzeitig zu erkennen, wird der Test bei Neugeborenen am zweiten oder dritten Lebenstag durchgeführt.
Warum ist der Test so wichtig?
„Noch eine Untersuchung“, mögen manche Eltern bei Einführung des Hörscreenings gestöhnt haben. „Muss das wirklich sein?“ – ganz klare Antwort: Ja! Der Hörsinn ist DIE elementare Voraussetzung für eine normale Sprach- und Lautbildung. Kleine neue Erdenbürger mit einer unentdeckten Hörstörung haben in ihrem Leben mit massiven Beeinträchtigungen zu kämpfen. Denn: Unbehandelt hat eine Schwerhörigkeit weitreichende Folgen. Stellen Sie sich das Gehirn eines Neugeborenen wie ein Buch mit leeren Seiten vor. Von Tag zu Tag werden die Seiten mit Erfahrungen und Sinneseindrücken gefüllt. Fehlt der Einfluss des Hörens, lernt das Gehirn nicht, Hörreize aufzunehmen und zu verarbeiten. Kinder, bei denen die Hörstörung erst im Alter von zwei bis drei Jahren entdeckt wird (und das ist in der Regel ohne Hörscreening der Fall) müssen dann selbst mit einem guten Hörgerät mühsam „hören lernen“. Für eine normale Entwicklung ist es zu diesem Zeitpunkt aber oft bereits zu spät.
Nicht nur das: Das Hören ist neben der Sprachbildung auch ein elementarer Sinn für den Aufbau von Beziehungen. Das sanfte Flüstern, Singen oder auch Meckern der Eltern, die Stimmen der Geschwister, die verschiedenen emotionalen Ausdrücke und Bewertungen von Gehörtem: Bei Kindern mit unentdecktem Hörschaden leidet auch die intellektuelle und soziale Entwicklung. Sie leben in ihrer eigenen stummen Welt.
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Wie läuft der Test ab?
Die Untersuchung ist ganz harmlos und das Baby bekommt im besten Fall überhaupt nichts mit. Ideal für den untersuchenden Arzt ist es, wenn das Baby schläft. Ganz in Ruhe wird dem Kind ein kleiner Stöpsel bzw. eine feine Sonde ins Ohr gesteckt. Für den Test wird ein Gerät verwendet, das sogenannte otoakustische Emissionen (OAE) misst. Diese Emissionen sind ein Phänomen der Natur und bei ca. 97 Prozent der Menschen nachweisbar. Werden akustische Signale ins Ohr geschickt, „antwortet“ das „hörende“ Ohr mit den OAEs, die mittels ultrasensitiver Mikrofone aufgezeichnet werden können. Das ganze ohne Nebenwirkungen oder Beeinträchtigungen für das Kind.
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Ist das Testergebnis immer sicher?
Nein. Bei der ersten Untersuchung gibt es immer mehr Verdachtsfälle, als tatsächlich Hörstörungen vorliegen. Wenn das Baby unruhig ist, schmatzt oder nuckelt oder Flüssigkeit im Mittelohr ist, kann das Ergebnis verfälscht sein. Der Test wird dann nach drei bis vier Wochen wiederholt und gegebenenfalls mit weiteren Untersuchungen, z.B. einer AABR-Hirnstrommessung ergänzt. Für diese Folgeuntersuchungen sollten sich Eltern mit ihrem Baby möglichst zeitnah nach dem ersten Test an einen Facharzt bzw. an eine Klinik oder Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie oder an einen HNO-Arzt mit pädaudiologischer Qualifikation wenden, da die Wartelisten oft lang sind.
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Müssen wir uns selbst um die Untersuchung kümmern?
Obwohl laut Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in Berlin das Neugeborenen-Hörscreening seit dem 01.01.2009 zur gesetzlichen Kassenleistung geworden ist, wird das Screening anscheinend noch nicht in allen Kliniken angeboten. Hier wird im Normalfall am dritten Lebenstag durch den Klinik-Kinderarzt die Untersuchung durchgeführt.
Auch durch ambulante Geburten, Geburtshäuser oder die Entbindung zu Hause, werden Kinder oft nicht zeitnah nach der Geburt getestet. Auch wenn Ärzte, Schwestern und Hebammen darauf hinweisen, wird es im Trubel der Geburt und der Tage häufig von den Eltern versäumt, sich um eine Untersuchung zu kümmern. Spätestens bei der ersten Kinderarztuntersuchung sollte aber deutlich werden, dass das Screening noch offen ist. Steht in dem gelben Untersuchungsheft kein Vermerk, muss der Kinderarzt den Eltern empfehlen, dass Screening durchführen zu lassen. In letzter Konsequenz tragen dann diese die Verantwortung.
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Was passiert, wenn mein Kind einen Hörschaden hat?
Natürlich ist es ein großer Schock zu erfahren, dass der kleine Mensch bereits eine Hörschädigung hat. Dank moderner Therapien kann aber schon den Kleinsten der Kleinen sehr gut geholfen werden, so dass eine normale Hör- und Sprachbildung möglich ist. Die meisten Hörschädigungen lassen sich mit einem Hörgerät aufheben. Selbst sehr starke Schwerhörigkeit oder Taubheit ist heute keine endgültige Diagnose mehr. Mit modernen Cochlea-Implantaten können taube Kinder sogar wieder hören.
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Dank moderner Therapien kann aber schon den Kleinsten der Kleinen sehr gut geholfen werden
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