| Neue Studie: Die bildliche Wahrnehmung sinkt mit der Dauer des Fernsehkonsums |
Seit 17 Jahren testet Peter Winterstein, Kinderarzt aus Badem-Württemberg, Vorschüler zwischen 5 und 6 Jahren, um die Auswirkungen zu hohen Fernsehkonsums festzustellen. Um zu testen, ob zu viel Fernsehen der kindlichen Entwicklung schadet, bedient sich der Kinderarzt einer verblüffenden Methode: Über 1900 Kinder bekamen Papier und Stift in die Hand mit der Aufgabe, einen Menschen zu malen. Dabei sollte es nicht um Schönheit oder anatomische Perfektion gehen: Nur halbwegs vollständig sollte er sein. Anhand bestimmter Kriterien wurden anschließend Punkte ermittelt. Hat der Mensch Füße? Ist sein Kopf kleiner als der Rumpf, hat er Finger und eine Nase? 13 mögliche Punkte können so bei einer altersentsprechenden Zeichnung erreicht werden. Doch die Ergebnisse der Studie sind erschreckend. Bei der Untersuchung schnitten die Kinder am besten ab, die am wenigsten fernsehen. Ihre Menschen haben Beine mit Füßen, Haare und Ohren, Finger, Augen, Nase und Mund. Bei mehr als zwei Stunden täglichem Fernsehkonsum sinkt die Punktezahl erheblich. Kinder, die mindestens drei Stunden täglich schauen, erreichten im Durchschnitt nur noch 6,4 Punkte. Ihre Figuren ähnelten Strickmännchen: ein Kopf, ein Rumpf und vier Striche. Fertig. ![]() Gruppe 1: So malen Vorschüler, die täglich bis max. 60 Minuten fernsehen, Menschen. Vollständige Figuren mit richtigen Proportionen.
Gruppe 2: So sehen die Figuren aus, wenn die Kinder länger als drei Stunden täglich fernsehen. Es fehlen Füße, Haare und Ohren. Der Kopf ist z.T. größer als der Rumpf. Das mittlere Männchen besitzt nur drei Finger.
Gruppe 3: Fehlende Körperteile lassen auf psychische Probleme durch einschneidende traumatische Erfahrungen bei den Kindern schließen. Der Kopf schwebt weit über dem Körper, es fehlen Beine. Die Körperteile sind nicht miteinander verbunden. Die Auswertung der Studie zeigt deutlich auf: Je länger die Kinder täglich Fernsehbilder konsumieren, desto schlechter wird ihre bildliche Darstellung:
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| Kinderarzt Peter Winterstein oder auch der Neurophysiologe Manfred Spitzer, ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Uniklinik in Ulm, warnen seit Jahren vor den Folgen dauerhaftem Fernsehkonsums bei Kindern. Durch die passive Beschäftigung Fernsehen verkümmern die Sinne, die Welt kann im wahrsten Sinne des Wortes nicht „begriffen“ werden. Bereits über 50 Studien haben sich weltweit mit dem Thema auseinander gesetzt. Renommierte deutsche Institute untersuchen z.B. die PISA-Zahlen - auch Studien aus den USA ergeben ein deutliches Bild. |
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| Gut jeder vierte Schulanfänger, also Kinder von gut sieben Jahren, besitzt bereits einen eigenen Fernseher, der zur freien Verfügung im Kinderzimmer steht. Ein Luxus mit verheerenden Folgen: Kinder mit eigenem Fernseher haben häufig schlechtere Noten in der Schule: So ermittelten Wissenschaftler des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, dass Grundschüler der vierten Klasse, die über einen eigenen Fernseher verfügen, schlechtere Noten in Mathe, Deutsch und Sachkunde haben als Mitschüler ohne eigenen Fernseher. Laut der Studie, die 23 000 Schülerantworten auswertete, sitzen Hauptschüler mehr als doppelt so lange vor dem Bildschirm wie Gymnasiasten. Auch eine Auswertung der PISA-Daten des Münchner Ifo-Instituts ergab: Kinder, die zu Hause einen eigenen Computer haben, sind schlechter in der Schule als ihre Mitschüler. Eine Studie mit 1779 Kindern an der University of Washington führt auf, dass Kinder unter drei Jahren, die regelmäßig Fernsehen schauen, im Alter von 6 bis 7 Jahren Probleme beim Rechnen und Schreiben haben. |
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| Das Fernsehen ist bei Kindern heute fester Bestandteil des täglichen Lebens. Bereits zwei- bis fünfjährige verbringen täglich fast zweieinhalb Stunden vor der Flimmerkiste (so das Ergebnis der Studie „Kinder und Medien 2003“ der ARD/ZDF Medienkommission. Der Fernseher hat hier oft die Funktion eines „Babysitters“, die Eltern kontrollieren zu wenig Zeit und Umfang des Fernsehkonsums. Nach Empfehlungen der Bundeszentrale für politische Aufklärung sollen Kinder im Vorschulalter nicht länger als 30 Minuten täglich fernsehen. Ab der Grundschule sei dieser Rahmen auf eine Stunde erweiterbar. |
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