Nach der Trennung – Krisenbewältigung für Eltern  


„Ich will die Scheidung.“ - Egal, ob Verheiratete sich einvernehmlich trennen oder die Initiative nur von einem Partner ausgeht: Wenn dieser Satz fällt, ist ein Lebenstraum zerplatzt. Ein Paar, das sich im Standesamt und vor dem Altar das Ja-Wort gibt, möchte ein Leben lang zusammen bleiben. Kinder werden geboren, Häuser gebaut und Pläne geschmiedet. Das Aus, oft nach einer langen problematischen Zeit, wird von einem vielleicht als Befreiungsschlag, von einem anderen als emotionaler Super-GAU empfunden. Das Leben beider Eheleute ändert sich in jedem Fall nach einer Scheidung massiv, vieles muss, vor allem mit Kindern, neu organisiert, verarbeitet und ausgehandelt werden.

Trennung – wenn Sie verlassen wurden

Es gibt sie, die Paare, die sich an einen Tisch setzen und gemeinsam ihre Beziehung für gescheitert erklären. Das ist schmerzhaft und traurig, aber dennoch sind beide mit einer Trennung einverstanden. Häufig will jedoch nur einer der Partner einen Schlußstrich ziehen. Der andere fühlt sich verlassen und sieht seine Liebe und seinen Lebenstraum zerstört, ohne etwas dagegen tun zu können. Die Scheidung wird nicht als Aufbruch und Neuanfang, sondern als schlimmer Verlust und häufig auch als Verrat und Demütigung empfunden. Die „Verlassenen“ müssen nach der Trennung eine Zeit heftiger Gefühle wie Trauer, Wut und Orientierungslosigkeit durchleben. Verlassene Eltern müssen aber dennoch weiter ihre Elternrolle ausüben und den Kindern Liebe, Halt und Orientierung bieten. Besonders schwierig für Scheidungskandidaten: Der Kontakt mit dem Ex-Partner bleibt durch die gemeinsamen Kinder, aber auch gemeinsame Freunde und gemeinsame Besitztümer, manchmal ein Leben lang erhalten.

Die Reaktionen nach einer Trennung können heftig sein: Weinkrämpfe, Schwindel, Herzrasen, Schlaf- und Appetitlosigkeit usw. Das ist erst einmal völlig normal. Versuchen Sie, sich so viel Unterstützung wie möglich zu holen. Vor allem, wenn Kinder zu versorgen sind kann es hilfreich sein, alle beteiligten Erwachsenen, also Babysitter, Lehrer, Kindergärtner, Freunde oder Oma und Opa, ins Vertrauen zu ziehen und um Hilfe zu bitten. Versuchen Sie, ehrlich zu den Kindern zu sein, sie aber auch nicht mit Ihren Gefühlen zu überrennen. Rat, Hilfe und Unterstützung müssen von Erwachsenen kommen, Kinder sind damit überfordert. Hilfreich kann eine Psychotherapie oder eine psychologische Beratung sein. Auch Selbsthilfegruppen oder Gesprächskreise mit Leidensgenossen helfen. Lassen Sie sich Zeit: Liebeskummer nach einer mehrjährigen Ehe kann zwei bis vier Jahre dauern. Manchmal kommen Gefühle, die man längst verarbeitet geglaubt hat, wieder hoch. Aber auch wenn Sie es manchmal nicht glauben können: Irgendwann ist der Schmerz verarbeitet, Ihre Psyche hat sich regeneriert und Sie haben eine Lebensneuorientierung geschafft. Ganz wichtig: Lassen Sie die Finger weg von Alkohol, Tabletten und Drogen.

Auch wenn der Hass auf den oder die Ex riesig ist: Versuchen Sie, ihre Kinder nicht mit hineinzuziehen. Die Kinder haben das Recht auf ihre Liebe zum anderen Elternteil und ein Recht, Zeit mit ihm zu verbringen. Negative Aüßerungen über den Ex-Partner sollten den Kindern gegenüber tabu sein, ebenso wie Versuche, Treffen und Kontakt zu boykottieren, es sei denn, es besteht Gefahr für die körperliche oder psychische Gesundheit der Kinder. Es ist sehr verlockend, sich an dem anderen durch die Kinder zu rächen, doch schaden Sie damit den Kindern mindestens genauso, wie dem Ex-Partner.

Auf Dauer ist es sinnvoll, mit dem früheren Partner eine konstruktive Gesprächsbasis zu finden, um alle Belange der Kinder so zu regeln, dass diese so wenig leiden wie möglich. Dafür müssen die „Großen“ über ihren Schatten springen. Auch hier kann die Hilfe von Dritten, also Freunden oder auch Paartherapeuten und psychologischen Beratern, hilfreich sein.




















Irgendwann
ist der Schmerz verarbeitet,
Ihre Psyche hat
sich regeneriert und
Sie haben eine Lebensneuorientierung
geschafft.

Ganz wichtig:
Lassen Sie
die Finger weg
von Alkohol, Tabletten
und Drogen.

Trennung – wenn Sie sich getrennt haben

Derjenige, der die Trennung veranlasst, scheint von außen oft der Schuldige zu sein. Guckt man einmal genauer hin, sieht das manchmal ganz anders aus: Vielleicht ist ein Partner gegangen, weil er betrogen oder belogen wurde, vielleicht gab es eine Suchtproblematik oder unüberbrückbare Differenzen. Die Trennung aktiv zu vollziehen ist schmerzhaft und schwierig. Selbst wenn noch jede Menge Liebe da ist, kann es trotzdem der beste Schritt für beide sein, getrennte Wege zu gehen, auch wenn das erst mal nur der erkennt, der geht. Wenn Sie der oder die Verlassende sind: Sie haben jedes Recht auf Gefühle wie Wut oder Trauer und auf die Hilfe von anderen. Vielleicht können Sie psychologische Unterstützung gebrauchen, um die Trennung zu verarbeiten.

Im Umgang mit dem Ex-Partner sollten Sie Fingerspitzengefühl beweisen. Versuchen Sie, die Trennung als einen Prozess aufzufassen, nicht als einen brutalen Schnitt. Gönnen Sie sich und dem anderen klärende Gespräche und Konflikte. Auch hier kann die Hilfe von Dritten hilfreich sein, damit Streits nicht eskalieren oder in immer dieselbe Sackgasse laufen. Versuchen Sie, Verständnis für die Gefühle des Verlassenen aufzubringen. Das heisst allerdings nicht, sich zum Spielball machen zu lassen. Auch Sie haben emotionale Grenzen, die Sie achten und zeigen sollten. Lassen Sie sich nicht erpressen, erniedrigen oder benutzen.

Auch die „Verlassenden“ sollten unter allen Umständen vermeiden, die Kinder in die Konflikte mit dem Ex hinein zu ziehen. Weder sind Kinder Berater noch Schiedsrichter. Sie sollten weder Botschaften überbringen noch Streits schlichten oder trösten müssen. Versuchen Sie, ehrlich zu den Kindern zu sein, aber negative Äußerungen über den oder die Ex zu vermeiden. Kinder brauchen jetzt besonders viel Aufmerksamkeit und Zeit. Machen Sie ihnen klar, dass Sie sich nicht ihretwegen getrennt haben.



 

 

 


















Versuchen Sie,
die Trennung als
einen Prozess aufzufassen,
nicht als einen
brutalen Schnitt.
Gönnen Sie sich
und dem anderen
klärende Gespräche
und Konflikte.


Beratung und Organisation

Neben der emotionalen „Verhandlung“ und Verarbeitung der Scheidung gibt es viele Dinge, die Sie bedenken und besprechen sollten. Dazu gehören das Umgangs- und Aufenthaltsrecht der Kinder, Unterhaltszahlungen und die Aufteilung von Vermögen und Besitz, so wie zukünftiger Schulden. Lassen Sie sich rechtzeitig juristisch zu diesen Themen beraten. Ein erstes Beratungsgespräch beim Anwalt kostet in den meisten Fällen zwischen 30 Euro und 190 Euro plus Mehrwertsteuer. Sollten Sie niedrige Einkünfte haben, erhalten Sie sogar Beratungshilfe vom Staat. Scheidungsberatung findet man übrigens nicht nur bei Anwälten. Auch Erziehungsberatungsstellen, Ehe- und Familienberatungsstellen bieten Hilfe an. In größeren Städten gibt es ebenfalls spezialisierte Scheidungsberatungsstellen. Sind minderjährige Kinder von der Trennung betroffen, beraten auch Jugendämter. Dabei erstreckt sich die Gesamtleistung von der Eheberatung bis hin zur Nachscheidungsphase.













BUCHTIPPS:


Titel

Liebeskummer – Wenn das Herz zu brechen droht

© Kreuz-Verlag 2008
Autorinnen
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Zielgruppe Betroffene
Verlag Kreuz-Verlag; Auflage: 1 (September 2008)
Kategorie Ratgeber
Bestellnummer 978-3783127812
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Titel

Ich verlasse dich: Ein Ratgeber für den, der geht

©Krüger, 2008
Autorin
Sandra Lüpkes
Zielgruppe Betroffene
Verlag Krüger, Frankfurt; Auflage: 5 (3. März 2008)
Kategorie Ratgeber
Bestellnummer 978-3810511485
Preis 14,95 €


Titel

Versöhnliche Scheidung

©DTV, 2006
Autor
Christoph Strecker
Zielgruppe Betroffene
Verlag Deutscher Taschenbuch Verlag; Auflage: 3. Auflage (1. November 2006)
Kategorie Ratgeber
Bestellnummer 978-3423581202
Preis ab. 7,55 €


Autorin: Nikola Materne