Hausaufgaben - aber gerne! 


I
n Deutschland fällt die gesetzliche Regelung der Hausaufgaben in das Aufgabengebiet der Bundesländer. Jedes Bundesland hat seinen eigenen Erlass. Im Grundsatz beinhalten alle Verordnungen:

Hausaufgaben sind eine Ergänzung zum schulischen Unterricht.
Mittels der Hausaufgaben soll der Unterrichtsstoff zu Hause angewendet und vertieft werden, möglichst mit einer Vorbereitung auf die nächste Unterrichtsstunde.
Hausaufgaben sollen die Schüler befähigen, Lernvorgänge eigenständig zu organisieren.
Die Hausaufgaben sollen in selbständiger Arbeit ohne Hilfe und in angemessener Zeit vom Schüler bearbeitet werden.
Die Hausaufgaben sollen so konzipiert sein, dass dem Schüler genügend Zeit für Freizeitaktivitäten bleibt.
Im Unterricht sollen Lehrer und Lehrerinnen die Hausaufgaben mit einbeziehen und die Leistung der Schüler überprüfen und in die Bewertung miteinbeziehen.
Hausaufgaben dürfen nicht als Ersatz für ausgefallene oder fehlende Unterrichtsstunden benutzt werden.

Für eine altersentsprechende Vergabe von Hausaufgaben dienen folgende Richtwerte:

-  Klasse 1 und 2:    30 Minuten

-  Klasse 3 und 4:    60 Minuten

-  Klasse 5 und 6:    90 Minuten

-  Klasse 7 bis 10: 120 Minuten


Eltern können anhand dieser Richtwerte überprüfen, ob ihr Kind die Hausaufgaben in angemessener Zeit fertig stellen kann. Sollte dies nicht der Fall sein, ist es unbedingt ratsam, Rücksprache mit dem Lehrer zu halten. Auch in Gesprächen mit anderen Eltern kann festgestellt werden, ob die Klassenkameraden ähnliche Probleme haben.


D
amit Eltern nicht jeden Tag aufs Neue Diskussionen über die Erledigung der Hausaufgaben führen müssen, empfiehlt es sich, klare Abmachungen über Zeitpunkt und Ablauf der Hausaufgabenerledigung zu finden. Verbindliche Strukturen und Rituale erleichtern Kindern den Tagesablauf.

Der richtige Zeitpunkt
:

Kinder gehen unterschiedlich mit den Anstrengungen eines Schultages um. Manche sind nach der Schule müde, und brauchen eine Pause, um wieder neue Kräfte zu finden. Andere sind so aktiv und aufgewühlt, dass sie sich körperlich austoben müssen. Überlegen Sie am besten gemeinsam mit Ihrem Kind, wann der beste Zeitpunkt für die Erledigung der Hausaufgaben ist. Wenn Hobbies oder Termine am frühen Nachmittag die Bearbeitung der Hausaufgaben verschieben, ist ein Hausaufgabenplaner hilfreich: Hier kann am Wochenanfang für jeden Tag ein fester Zeitrahmen eingetragen werden, an dem die Hausaufgaben dran sind. Dieser Planer muss dann verbindlich sein.

Das richtige Umfeld:

Die Hausaufgaben sollte Ihr Kind möglichst an einem festen Arbeitsplatz erledigen. Kinder neigen sonst dazu, ihre Hausaufgaben halb liegend auf dem Bett oder dem Boden, zwischen Kuscheltieren und Spielzeug, anzugehen und sind dann unkonzentriert. Eltern sollten daher unbedingt auf ein arbeitsfreundliches Umfeld ihres Kindes achten: Der Platz sollte bequem sein, ungestörtes Arbeiten ermöglichen und ausreichend Stauraum für Bücher, Unterlagen und Schreibmaterialien bieten. Wenn Ihr Kind Probleme hat, sich zu konzentrieren, achten Sie unbedingt auf ein ruhiges, reizarmes Umfeld: Fernseher, Radio und Computer bleiben aus, auch Geschwisterkinder sollten nun Rücksicht nehmen und sich leise zurückziehen.

Hilfe begrenzen:


Besonders Schulanfänger haben noch Probleme, sich konzentriert auf die Hausaufgaben einzulassen. Sie rufen nach den Eltern, trödeln, spielen nebenher. Eltern können sich zunächst zu Ihrem Kind setzen und vielleicht ein Buch lesen, später sollte dann die räumliche Distanz allmählich erweitert werden. Wenn Ihr Kind Fragen hat, können Eltern helfen, sollten aber nicht die Aufgaben für Ihr Kind lösen. Es ist kein Beinbruch, wenn Aufgaben ungelöst bleiben: Nur so kann der Lehrer/ die Lehrerin eine richtige Einschätzung über die Fähigkeiten des Kindes bekommen.

Ein fester Zeitrahmen:

Kinder, die zum Trödeln neigen, können mit einer festen Zeitvorgabe lernen, sich konzentriert auf die Aufgaben einzustellen. Hierfür kann ein Wecker benutzt werden: Stellen Sie gemäß der altersentsprechenden Richtwerte eine Zeit ein (anfangs sollte es ruhig mehr Zeit als empfohlen sein, um ihr Kind nicht zu überfordern). Wenn der Wecker klingelt, sind die Hausaufgaben beendet – auch wenn noch nicht alles fertig ist. Ihr Kind hat so einen Überblick über die verbleibende Zeit, lernt mit dieser umzugehen und muss in der Schule die Konsequenzen ziehen, wenn nicht alles geschafft worden ist.


Eltern haben einen entscheidenen Einfluss auf den Umgang des Kindes mit den Hausaufgaben. Eltern, die ihr Kind ständig ermahnen, Antworten vorgeben, Falsches kritisieren und Druck erzeugen, bewirken, dass Hausaufgaben zum Stressfaktor werden. Die Kinder verlieren die Motivation, fühlen sich überfordert und trauen sich keine eigene Leistung mehr zu.
Kinder, die hingegen das Gefühl haben, selbständig mit den Hausaufgaben zurecht zu kommen, die gelobt und motiviert werden, bekommen Spaß am häuslichen Lernen und erleben die Hausaufgaben weniger als Pflicht, sondern als Erfolg der eigenen Leistung und Fähigkeiten.


Motivieren Sie Ihr Kind zum Arbeiten durch Interesse an den Hausaufgaben: „Welche Aufgaben hast du heute aufbekommen?“ oder „Ich bin sehr gespannt auf deinen Aufsatz und freue mich darauf, ihn nachher hören zu können.“
Loben Sie vorrangig die selbständige Leistung und nicht nur Richtigkeit einzelner Aufgaben. Wenn ihr Kind sich bemüht hat, die Aufgaben zu bearbeiten, kann Kritik an einzelnen Fehlern schnell niederschmetternd sein.
Braucht Ihr Kind Hilfe, dann sollten Sie nicht erklären und lösen, sondern durch gezieltes Fragen die selbständige Erarbeitung erleichtern. Wenn Ihr Kind dann durch Ihre Fragen den richtigen Weg zur Lösung gefunden hat, können Sie loben: „Da bist du jetzt ganz alleine drauf gekommen!“
Wenn Ihr Kind Probleme hat, die Reihenfolge der Hausaufgaben zu organisieren, können Eltern helfen. Lassen Sie Ihr Kind entscheiden, welche Hausaufgabe zuerst erledigt wird, die anderen Unterlagen werden dann zunächst aus dem Blickfeld geräumt.
Ermahnungen bringen nichts! Wenn ihr Kind unkonzentriert arbeitet oder trödelt, suchen Sie gemeinsam nach den Ursachen: Was ist los mit dir? Fällt dir die Aufgabe schwer? Hattest du Stress in der Schule?
Wenn die Zeit der Hausaufgaben zur ständigen Herausforderung von Konflikten benutzt wird, überlegen Sie, ob es eventuell an gemeinsamer Zeit fehlt. Manche Kinder benutzen die Hausaufgaben, um die Aufmerksamkeit der Eltern auf sich zu ziehen. Hier helfen klare Abmachungen: Wenn du mit den Hausaufgaben fertig bist, können wir gemeinsam ein Buch anschauen oder etwas unternehmen.
Wenn Ihr Kind dauerhaft mit den Hausaufgaben überfordert ist, suchen Sie unbedingt das Gespräch mit dem Lehrer/der Lehrerin. Wie kommt ihr Kind im Unterricht zurecht? Ist ein Wechsel der Schulform ratsam oder würde die Unterstützung durch außerschulische Nachhilfe ausreichen? Manchmal sind diese Veränderungen zwingend erforderlich, um ihrem Kind wieder neuen Mut und Motivation für die schulischen Anforderungen zu geben.

Autorin: Bettina Levecke