| Erleben,
wovon das Leben wirklich 'abhängt' |
Seit Beginn der neunziger Jahre wird der Prävention eine zentrale
Bedeutung bei der Suchtmittelbekämpfung zugewiesen. Das Programm
geht von einem weitgefassten Drogenbegriff aus, der nicht nur die illegalen
Drogen einbezieht, sondern auch legale Mittel (Alkohol, Nikotin, Medikamente
...) und stoffungebundene Suchtformen (Fernsehen, Essen, Spielen ...)
berücksichtigt, die auch suchtbildend wirken können. Suchtentwicklung
und Substanzmissbrauch sind letztlich auf viele gemeinsame Faktoren
zurückzuführen: Die konsumierten Mittel und Verhaltensweisen
sind häufig austauschbar, die zugrunde liegenden Motive und Probleme
für die Entwicklung von süchtigem Verhalten müssen dagegen
verstärkt in den Blick genommen werden.
Die hessischen Fachstellen für Suchtprävention in den Landkreisen
und kreisfreien Städten sind in diesem Kontext vor allem mit der
sogenannten Primärprävention beauftragt, die weit im Vorfeld
eines möglichen Substanzkonsums ansetzt. Bei diesem umfassenden Ansatz
steht die Förderung und Unterstützung gesunden Verhaltens im
Mittelpunkt der entsprechenden Maßnahmen und Strategien.
Wissenschaftliche Untersuchungen fundieren die konzeptionellen Grundlagen
der Maßnahmen, die in diesem Arbeitsfeld entwickelt wurden und
durchgeführt werden. Die Erkenntnisse dieser Untersuchungen zeigen,
dass Methoden der Abschreckung ungeeignet sind. Die drastischen Bilder
teergeschwärzter "Raucherlungen" und amputierter "Raucherbeine"
verursachen nur kurzfristig einen Schock, lösen langfristig aber
eher ein Verdrängungsverhalten aus: Solche Bilder können und
wollen die Menschen nicht auf die eigene Biografie projizieren und halten
sich für geschützt.
Moderne "Schutzfaktoren-Konzepte" haben diese Methoden heute
abgelöst. Sie gehen davon aus, dass Jugendliche dann ein geringeres
Risiko zur Entwicklung von süchtigem Verhalten haben, wenn ihre Fähigkeit
zu einem selbständigen, selbstverantwortlichen und gesundheitsgerechten
Leben gefördert wird. Es gilt, die "Lebenskompetenz" zu
stärken und vor allem Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen,
Lebenskrisen und Konflikte ohne Suchtmittel zu bewältigen. Konkret
bedeutet dies, dass Suchtvorbeugung als eine pädagogische Aufgabe
zu verstehen ist. Jugendliche haben eine Fülle sog. "Entwicklungsaufgaben"
(Ablösen vom Elternhaus, Aufbauen einer Geschlechtsrollenidentität,
Berufsfindung, Sinngebung usw.) zu bewältigen. In dieser entwicklungskritischen
Lebensphase gilt es, auf Schutzfaktoren zurückgreifen zu können,
die stabilisierend wirken. Dazu gehören z.B. Entwicklung von Frustrationstoleranz,
Konflikt- und Kommunikationsfähigkeiten oder die Fähigkeit mal
"Nein Sagen" zu können etc.
Primärprävention in diesem umfassenden Sinne kann nicht die
Aufgabe weniger Fachleute in Beratungsstellen oder Gesundheitsämtern
sein. Sie erfordert ein langfristiges Engagement von allen Personen, die
an der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen Anteil haben, sei es kontinuierlich,
wie im Falle von Eltern und ErzieherInnen (auch LehrerInnen in Schulen),
sei es in temporären Schlüsselfunktionen, wie im Falle der ehren-
und hauptamtlichen Betreuern in offener Jugendarbeit, Vereinen, Kirchen
und sonstigen Jugendorganisationen.
Mit folgenden Fähigkeiten hat der Heranwachsende die wesentlichen
stabilen Schutzfaktoren für die Bewältigung auch kritischer
Lebensphasen:
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ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl |
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eigene Grenzen und Grenzen
anderer akzeptieren |
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"Nein" sagen können |
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Selbstvertrauen |
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Fehler eingestehen können |
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Mit Frust umgehen lernen |
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Konflikte austragen können |
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ein gutes Körpergefühl entwickeln |
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Geniessen können |
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sich in die Gemeinschaft einfügen können |
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eigene Bedürfnisse äußern können |
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Kommunizieren können |
Suchtprävention ist wirksam, wenn sie...
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langfristig und als Gemeinschaftsaufgabe aller verantwortlichen
Erziehungspersonen angelegt ist. |
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sich als pädagogische Aufgabe versteht. |
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bereits im Kindesalter, in der Familie und beim
Erziehungsstil der Eltern ansetzt. |
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schon frühzeitig in Kindergarten und Schule
durchgeführt wird. |
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die Persönlichkeitsentwicklung fördert
und stärkt. |
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das Wissen über die Entstehung von Sucht weitergibt. |
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alle Erscheinungsformen von Sucht beachtet: den
Konsum von legalen und illegalen Suchtmitteln als auch andere Suchtformen
wie etwa Fernsehsucht, Magersucht oder Spielsucht. |
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Sucht als ein gesamtgesellschaftliches Phänomen
erkennt, das sich nicht nur auf Randgruppen oder Einzelpersonen
beschränken lässt. |
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sich an den Ursachen orientiert, die sowohl in der
Persönlichkeit des Einzelnen als auch in seinem Umfeld liegen
können. |
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Sucht auch unter dem Aspekt der geschlechtsspezifischen
Erziehung und Sozialisation sieht. |
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Sucht als ein Phänomen definiert, das aus vielen
Faktoren besteht, für die es verschiedene Erklärungsmodelle
gibt. |
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den Einfluss der Gleichaltrigen in und außerhalb
der Schule als wichtigen schützenden Faktor unterstützt
und versucht diesen Einfluss positiv zu gestalten. |
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im Rahmen integrierter Gemeindeprogramme koordiniert
und dauerhaft angelegt wird. |
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auf die Stärkung der schützenden Faktoren
abzielt statt auf die Vermeidung von Risikofaktoren. |
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die Förderung der Lebenskompetenz in den
Vordergrund stellt, anstatt Sanktionen, Stoffkunde, Abschreckung. |
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funktionierende Angebote bietet, die sich in erster
Linie an die Nichtkonsumenten/-innen im Kindes- und Jugendalter
wenden und sie damit fördern will. |
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strukturelle Veränderungen bewirkt. |
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die Arbeit mit Multiplikatoren (Schulen, Jugendarbeit,
Vereinen, Kirchen und sonstigen Jugendorganisationen ...) berücksichtigt. |
Die hessischen Fachstellen für Suchtprävention
geben Ihnen gerne weitere Auskünfte. Unter dem Menüpunkt "Projekte"
finden Sie verschiedene Praxisbeispiele. |
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